Donnerstag, Dezember 18, 2008

Protokoll des Niedergangs

Hier ein minutiöses Protokoll des Popstars-Finale 2008. Zunächst aber ein Disclaimer: Dass ich alle Namen der Kandidatinnnen kenne, bedeutet nicht, dass ich die diesjährige Staffel verfolgt hätte. Selbst mir als ausgewiesenen TV-Masochisten war es diesmal zu öde. Stattdessen hat sich der hier nicht genannte Privatsender entschlossen, mir die Namen der Finalistinnen im Sekundentakt um die Ohren zu hauen. Ich bin froh, dass ich mich noch problemlos an meinen eigenen Namen erinnern kann. Für alle Arte-Gucker und andere Randgruppen-Orientierte: Die Kandidatinnen werden in einer Band namens Queensberry singen. Drei Mädchen stehen als Mitglieder bereits fest, drei weitere wetteifern um den letzten Platz in der Gruppe, deren Erfolg so sicher ist, wie die sexuelle Ausrichtung von Alexander J.

20.25 Uhr: Die drei sicheren Queensberry-Mitglieder präsentieren die erste Single. Amy Winehouse für ganz, ganz Cleane. Ein verkrüppelter Union Jack wird auf die Leinwand im Hintergrund eingeblendet. Trotzdem klingt der Song nicht trendy british, sondern fucking pommeranzig.

20.50 Uhr: Peinlicher Untertitel-Fehler. Die Pussycat Dolls - auch bekannt als die strippenden Teletubbies - verkünden, dass Queensberry sie auf ihrer Deutschland-Tour als Anheizer begleiten dürfen. Irre kichernd gratulieren sie Vici, Leo und Gabby zum Bandeinzug und fragen sich, wer das vierte Bandmitglied werden wird: Antonella, KayKay oder Patricia. Im Untertitel lese ich dagegen Antonella, KayKay und ... Vici. Praktikanten allüberall atmen hörbau auf, dass nicht sie es versaut haben und vor einem Millionenpublikum (als ob...) eine handvoll Namen durcheinanderwürfelten. Das gemeinsame Aufatmen von zigtausend Individuen verursacht einen Hurricane, der die Philipinen entvölkert.

21.02 Uhr: Wenn diese Antonella weiter den Schlafzimmerblick beibehält, werde ich heute in 9 Monaten Vater eines propperen Sohns. Meine Freundin liest diese Zeilen und fragt irritiert: "Warum?"

21.02 Uhr: Wenn die beiden anderen Kandidatinnen (eine, die beunruhigenderweise perfekt ins Päderasten-Profil passt und ein Pferd-Fretchen-Hybrid) weiterhin ihre eingleißten Fressen in die Kamera halten, werde ich niemals Vater von irgendwas. Meine Freundin liest diese Zeilen und reagiert überhaupt nicht. Stattdessen schneuzt sie in ihr Taschentuch und wirft es auf spielende Kinder im Hinterhof. Ich liebe sie.

21.05 Uhr: Sido performt seine neue Single. Verschlucke mich vor Schreck an meinem eigenen Hodensack, denn MEINE FRESSE WAS IST AUS DEM MANN GEWORDEN?! Bestes Deutschsprachiges Album 2004, Hodenentschrumpler 2008. Greine in mein Sofakissen.

21.10 Uhr: Wenn Antonella nicht in die Band kommt, ist das Wandagate 2008.

21.11 Uhr: Antonellas Schwester ist ebenfalls ganz ansehlich, hat aber ohne Scheiß das größte Kinn aller, aller Zeiten.

21.14 Uhr: Antonella performt solo. Trägt ein unvorteilhaftes Kleid (Sagt meine Freundin, die aber nur eifersüchtig ist und ohnehin keine Ahnung von Ästhetik hat.) Sie singt ein Lied aus dem ConAir-Soundtrack. Scheiße zwar, aber immerhin aus ConAir. Immerhin Antonella. Versuche, mir mein "Wanda 4ever"-Tattoo aus der Achselhöhle zu kratzen.

21.17 Uhr: Was Antonellas Schwester als Kinn hat, hat Jurymitglied Loona als Zahnfleisch. Die rosa Masse quillt förmlich unter ihrer Oberlippe hervor. Wäre ich im Studio, würde ich versuchen, es mit einer Gabel aufzuspießen und auf einen Grill zu legen.

21.20 Uhr: KayKays Bruder wird eingeblendet und prompt interviewt. Er sieht aus wie Moby. Oder Loby. Oder Koby. Oder das Sorgenkind einer Kinderkrebsklinik. KayKay blickt während des Interviews flehend zum Himmel, als würde sie weitere Minuten Lebenszeit für Capt. Chemo erbitten. Aber warum sollte ihr Bruder leben, wenn zigtausend Philipinos sterben müssen?

21.23 Uhr: KayKay (Was ist das überhaupt für ein ultra-behinderter Spitzname? Eins steht fest: Ihr Freundeskreis gehört in einen Stiefelkreis.) singt irgendwas. Und zwar grundsätzlich 2 Oktaven zu hoch. Meine Bierflasche explodiert. Scherben schneiden meine Freundin in Stücke. Bin versucht, umzuschalten.

21.40 Uhr: Die Schneidezähne der dritten Kandidatin imitieren den schiefen Turm von Pisa.

21.44 Uhr: Blablabla performt blablabla Sugababes blabla OH MEIN GOTT! LAZYEYE! Jegliche Mimik verreissender Schlaganfall auf der Bühne, doch die Kandidatin singt automatengleich weiter. Der traurige Rest, der von meiner Freundin übrig ist, lacht sie ob ihrer Entstellung missgünstig schallend aus. Ich liebe sie.

21.46 Uhr: Meine Freundin beschwert sich, dass das "Live" Logo von Pro7 so klein ist. Warum kaufen wir so eine unfassbar teuere Edelglotze, wenn die Sender nur eine milbenpimmelkleine Schrift einblenden?

21.49 Uhr: Detlef D! Soost tanzt, begleitet von einer Legion Metrosexueller. Trägt dabei einen zugegeben sehr schicken Anzug, sieht aber trotzdem nicht aus wie Morpheus aus der Matrix-Trilogie, sondern wie der zugekokste Rausschmeißer einer Russendisko. Würde insgeheim gerne auch so einen maßgeschneiderten Anzug haben.

21.53 Uhr: Detlef D! Soost tanzt immer noch und sein mitreißender Auftritt inspiriert mich, eine Tanzkarriere einzuschlagen. Vergesse meine bisherige Antipathie gegen den Autor von "Heimkind - Neger - Pionier" und reiße mir büschelweise das Haupthaar aus, um meinem neuen Vorbild noch ähnlicher zu sein.

21.53 Uhr 30 Sekunden: Hab ich das gerade wirklich geschrieben? Gucke in den Spiegel und sehe nun selbst aus wie Moby, der Baron von Karzinomien. Oder wie Bene, was nur oberflächlich betrachtet besser ist.

21.56 Uhr: Mache eine wichtige Feststellung. Ich habe meinen eigenen Rekord im "Schlechte-Krebswitze-erzählen" gebrochen.

22.11 Uhr: KayKay ist raus. Definiere den Begriff "Indifferenz" neu.

22.15 Uhr: Antonella blickt weinend in die Kamera. Kann meine Erektion nur mühsam zurückhalten. Meine Freundin hält sie erfolgreich zurück. Mithilfe eines rostigen Dosenöffners. Ich liebe sie.

22.21 Uhr: Queensberry treten gemeinsam mit Antonella auf. Diesmal (und für die Zukunft) keine Erektion.

22.27 Uhr: Antonella bittet die Zuschauer, für sie anzurufen. Will zum Telefon stürmen, stolpere über meine Erektion. (Das hat meine Freundin geschrieben. Ist sie nicht süß? Versuche, ihr die Scherben aus der Oberlippe zu ziehen, um sie zu küssen. Schneide mich.)

22.29 Uhr: Die andere singt. Sie klingt, wie ein Dachsbau riecht. Nach Dachskacke. In ihrem rechten Augenlid hat sie offenbar weniger Muskeln als Steven Hawkins.

23.02 Uhr: Antonella zieht die überaus feige "Meine Eltern haben sich getrennt, ruft mich an!"-Karte und will so Sympathiepunkte einheimsen. Meine Sympathie schmilzt dahin wie ein Ed von Schleck zwischen Detlef D! Soosts inzwischen sicher verschwitzten Arschbacken. Ich empfehle, sich dies mehrfach am Tag bildlich vorzustellen. Patricia sieht dagegen aus wie ein ausrangierter Backyard-Wrestler und empfiehlt sich so höchstens für den Job als Bratenfettauflecker bei Mäckes. Und: Sie hat Beine, die mehr unsinnige Kurven nehmen als das Autobahnkreuz Kaarst (Represent!).

23.09 Uhr: Antonella ist in der Band. Tränen. Make-Up zerfließt. Treueschwüre. Erektionsprobleme. Die westliche Welt ignoriert das Leid auf den Philipinen. Praktikanten in Deutschland bleiben weiterhin unterbezahlt. Ich liebe meine Freundin.




1 Comments:

At 11:58 nachm., Dezember 18, 2008, Anonymous krustyDC said...

Langu ich will ein Kind von dir (und/oder Jenny)

 

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