Dienstag, Juli 22, 2008

Von Lava, Pickeln und vom Scheitern

Eigentlich dürfte ich jetzt nicht hier sitzen und schreiben. Während ich dieses vermaledeite Ninja Gaiden 2 nicht spiele, wird es nur noch stärker. Sammelt neue Kräfte. Und versucht mich zu seinem persönlichen Lustknaben zu machen. Aber das kann sich der Penner abschminken.
Man merkt, dass ich das Spiel nicht mehr nur als Spiel betrachte, sondern im höchsten Maße anthropomorphisiert: Tückisch handelnd, mit einer bösartigen Intelligenz gesegnet und verdorben pervertiert bis aufs Blut. Und hinter all dem steckt die Personalunion aus Frankenstein und seinem Monster: Itagaki! Aber ich schwöre, dass mich dieser Feind aller fühlenden Wesen nicht kleinkriegen wird. Ich gelobe hiermit: Das hat nichts mehr mit Spaß zu tun, so wie vor dem städtischen Waisenhaus lautstark mit dem monatlichen Kindergeld von meinen Eltern anzugeben. Das ist bitterer Ernst. Nicht zuletzt auch wegen dieser Verfehlungen:

Wieso zoomt die Kamera (wenn sie mir nicht gerade N64-Wandtexturen aufdrängt) ständig auf den Arsch meiner Spielfigur? Lässt man mal den pubertären Busenfetisch von Pickelmogul Itagaki außer Acht, so könnte man hier von einer nur halbherzig unterdrückten Homosexualität ausgehen. Dieses in nachtschwarzes Latex gehüllte Paar Mörderbacken liegt mir ständig so penetrant im Blickfeld, es ist nicht zu glauben. Wenn es doch zumindest ein ansehliches Gesäß wäre! Meine Freundin, die bezüglich Männerhintern deutlich wählerischer ist als ich, spricht spöttisch von zwei Brötchen, eingepackt in einer zu kleinen Papiertüte.

Das ist bisher meine Lieblingsstelle. 50mal bin ich an dem Endgegner in Level 11 kläglich verreckt. Richtig kläglich und absolut chancenlos, so wie ein in eine Bandidos-Kutte gewickeltes Robbenbaby im Clubhaus der Hell's Angels Dresden. In dieser Szene kommt alles Üble, Schlechte und von wandelnden Eiterfontänen diabolisch erdachte zusammen. Sämtliche Gegnerbeschreibungen sind übrigens akurat und zeugen von einem Charakterdesign, das in jedem Workshop einer Behindertenwerkstatt ästhetisch wertvoller geraten wäre.
1.) Eine höchstens 20 cm² große Insel inmitten eines Lavabeckens als Arena. Die Feuerbälle, die der Fledermauskönig im Sekundentakt auf mich abfeuert, sind jeweils grob geschätzt doppelt so groß. Zwar könnte ich auf eine benachbarte Insel ausweichen, doch dort hat sich freundlicherweise ein Begrüßungskomitee aus sechshundertvierunddreißig Tausendfüßlermutanten aufgestellt, das mich schneller zur Sau macht, als ich Mario Barth bei einem Meet and Greet entmannen würde.
2.) Ein Endgegner, der mich mit einer einzigen Attacke in besagtes Lavabecken befördert und die ganze Zeit durch die Luft fliegt, so dass ich ihn mit meinem Kompositbogen of eternal Failure selbst dann nicht treffen könnte, wenn ich es überhaupt noch versuchen würde. Und zusätzlich fliegt die geflügelte Nachgeburt immer so, dass er nicht von der Kamera erfasst wird. Kein Witz: Entweder liegt mal wieder die schlecht proportionierte Backwarentasche im Fokus. Oder mein Charakter rennt - Itagaki lacht jetzt irgendwo in einer Pfütze aus Eigenurin teuflisch vor sich hin - in einer ironischen Variante stupide frontal auf die Kamera zu. (Seinen Hintern kann ich trotzdem irgendwie sehen, ich schwör's!) Oder ich kann einen kritischen Blick auf das Lavabecken werfen, das mir durch den Bildausschnitt in all seiner Pracht präsentiert wird, WÄHREND ICH WEDER MEINEN CHARAKTER, NOCH MEINEN GEGNER, NOCH IRGENDETWAS ANDERES VON SPIELERISCHER RELEVANZ SEHEN KÖNNTE! Ich kann das nicht genug betonen: Ich sehe nur Lava, nichts anderes. "Itagaki", so denke ich bei mir, "ich komm zu dir nach Hause und drück dir deine Furunkel mit 'nem Hammer aus!"
3.) Nachdem ich das billige Manbat-Imitat nach über einer Stunde endlich bezwungen habe, mache ich mich auf zum nächsten Spielabschnitt, der mich quer über das Lavabecken führte. Für mich und meine blasphemische Über-Wasser-und-Lava-Wandel-Skillz eigentlich kein Problem, wenn sich der Marquis de Sade aus dem Land des Lächelns nicht spontan dazu entschlossen hätte, das Areal mit UNSICHTBAREN und ABSOLUT TÖDLICHEN Feuer-Geisterfischgräten zu spicken, die beim geringsten Kontakt in einer Wolke aus Schrappnellen und heißer Asche in die Luft fliegen. Das ich zwischen dem mörderischen Endkampf und dem Minenfeld aus untoten Nordsee-Abfallprodukten nicht speichern durfte, versteht sich von selbst.

4 Comments:

At 8:47 nachm., Juli 22, 2008, Anonymous Genshman said...

Junge, warum tust du dir das auch an?
Ich meine dann kannst du gleich dir nen Leder-Gimp-Combi anziehen und dich von Zangief mit seiner haarigen Brust in den Schwitzkasten nehmen lassen. Da waere sogar genug Homoerotik drin um den fehlenden Maennerarschfetish auszugleichen.
Andere Leute muessen erstmal in einem Krieg gefangen genommen werden um solche Qualeen zu erleiden.
Naja ich persoenlich mochte diesen Cyber-Latexmann eh nie, und muss leider sagen das ich dich um dein selbst ueber dich gebrachte Unheil weder beneide noch bemitleide...

 
At 8:48 nachm., Juli 22, 2008, Anonymous Genshman said...

Uebrigens wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. Ich habe schon einen gefunden.

 
At 9:13 nachm., Juli 22, 2008, Anonymous krustyDC said...

Langu ich bin dir so unendlich dankbar, dass du das für uns dokumentierst.

Wenn unsere gesamte Zivilisation eines Tages untergeht, hoffe ich, dass nur dieser Ninja-Gaiden Bericht irgendwo gerettet und für nachfolgende Evolutionsgenerationen als mahnendes Beispiel dienen kann.

 
At 1:11 vorm., Juli 23, 2008, Anonymous Langu Hayabusa said...

Denkt bei der nächsten Bundestagswahl dran:
Ich mach diesen gefährlichen Unsinn, damit ihr es nicht tun müsst.

 

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