Mittwoch, Februar 13, 2008

It's Videogame Logic! #3

Spiele gerade Turok. Turok kennt man, Turok ist Indianer und jagt Dinosaurier, wie vor zehn Jahren auch schon. Mein guter Freund Maurice van der Breeze würde sagen: Turok ist trés öde. Das haben auch die Entwickler wohl auf halbem Weg gemerkt, nachdem sie die schweineteure Lizenz erworben haben. Ist schon blöd. Und was tut man in der weiten, wilden Medienwelt, wenn man einer komatösen Marke neues Leben einhauchen will?

Man kommt auf dumme Ideen: Zum Beispiel die ganze Choose auf Teufel komm raus auf erwachsen zu trimmen. Oder wie wir Medienmenschen auf neudeutsch sagen: man fügt eine Portion edge hinzu. Sophisticated Tittenjongleure mit Festeinstellung können auch das Substantiv Edginess benutzen, weil alle Worte, die auf "-ness" enden, bei uns Vertretern der Medienbranche zu spontanen Beischlafangeboten führen. Anyway, solche Reanimationsversuche sind nicht selten. Sie haben kürzlich bei den Turtles ganz wunderbar geklappt, bei Vanilla Ice ungleich weniger und bei der Wiedergeburt von Turok leider gar nicht. Denn alles Coole wurde bei der Neuinterpretation mit einem stinkigen Kübel voller Suckiness ("Ooooh! Mir wird ganz heiß im Höschen, Mr. Langu!") begossen.

Natürlich ist Turok immer noch Indianer: Er hat einen feschen Iro auf dem Kopf, ist ein Bogenschütze par excellance und guckt immer grimmig - so wie es nordamerikanische Ureinwohner eben tun.









Don't be fooled: Das ist nicht Turok, sondern ein transsexueller Hampelmann der Boygroup Lexington Bridge. Der neue, erwachsene Turok hat nämlich keine Kriegsbemalung mehr.












Dieses Bild zeigt hingegen den echten Turok. Gehen wir die Checkliste durch und nehmen die wichtigsten Indizien zur Kenntnis: Ein Mr.-T-Gedächtnis-Toupet, viele feurige Pfeile und ein Gesicht, das wilde Entschlossenheit ausdrückt. Und ein dezentes Gefühl der Anspannung vielleicht. Ich kann es ihm nicht verübeln, ich lasse mir auch lieber von exotischen Schönheiten den Kehlkopf abschlecken als von schuppigen Viechern, von denen alle gedacht haben, dass sie eigentlich längst tot wären.

Leider ist Turok Version 2.008 - genauer gesagt: Joseph Turok, wie er nun mit vollem Namen heißt - nicht nur ein stolzer Stammeskrieger, sondern in erster Linie der langweiligste Videospielcharakter aller Zeiten. Schon tausendmal gesehen, schon millionenmal gespielt. Ein Marcus Fenix für kleine Jungs, mit einem Küchenmesser, wo andere Leute (zum Beispiel Mr. Bad Ass Panzerknacker himself) Kettensägenbajonettes haben. Mein größter Kritikpunkt ist aber nicht kosmetischer Art, sondern betrifft das Gameplay an sich: Turok kann eine ganze Menge cooler Sachen, die wir alle gerne tun könnten: Durch den Dschungel schleichen, wilden Velociraptoren ohne zu Zucken ein Messer in die Stirn rammen und ungeniert böse Junge mit Pfeilen an die Wand tackern. Außerdem kann er mit zwei Schrotflinten gleichzeitig herumfuchteln. Fun Fact: Das konnte ich bis zu meinem vierten Geburtstag auch, aber dann haben meine herzlosen Eltern diese angeblich notwendige Operation durchgesetzt und danach hatte ich nur noch einen... achdumeinegütebacktotopic: Turok kann nicht laufen. Im Sinne von "schnell gehen". Wie in: "Da ist ein riesiger T-Rex hinter mir her und ich bewege mich zur allgemeinen Belustigung so katzengleich und schnell wie ein mit Buletten vollgestopfter Texaner auf dem Heimweg vom wöchtenlichen All-U-Can-Eat-Marathon!"

Unglücklicherweise war ich als Spieler nicht belustigt. Stattdessen habe ich die Wohnung zusammengeschrien, matrosenhaft geflucht und bin unzählige Male von einer dieser strunzdoofen Riesenechsen verschluckt wurden. Ergo: Mission failed, Manitou fucked.

1 Comments:

At 1:57 nachm., Februar 14, 2008, Anonymous 0211 said...

auch da bewahrheitet es sich wieder einmal Langu: das (virtuelle)Leben ist kein Ponyhof. Scahde, dass Du immer wieder darauf hineinfällst. I bring your Sexy Back oder so, sacht auch Justin 'ichbinschongrößeralsderDisneyClubjemalswar' Timberlake
Prost!

 

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