Montag, April 09, 2007

Ich hasse Peter Jackson

Wir alle empfinden es als kosmische Ungerechtigkeit, wenn unsere Kindheitsträume nicht wahr werden. Oh, wie gerne würde ich jetzt mein Leben gegen das eintauschen, was ich mir als sechsjähriger Wonneproppen unzählige Male ausgemalt habe. Dann würde ich jetzt nämlich nicht frustriert in die Tasten meiner Aldi-Tastatur hauen, sondern an Bord meines eigenen WELTRAUM-Kreuzers durch den WELTRAUM fliegen! Ich würde mir wilde WELTRAUM-Schlachten mit gewaltigen Roboterarmeen, den Cyber-Clowns vom Evil WELTRAUM Circus und langbeinigen und vielbusigen WELTRAUM-Amazonen (aus dem WELTRAUM!) liefern! Komplett mit Explosionen, Blastern und allem. Natürlich wäre ich nicht alleine, sondern wäre in Begleitung meiner treuen Crew, rekrutiert aus den Helden und Vorbildern, die man als Sechsjähriger so hat. Mit den Turtles Seite an Seite WELTRAUM-Piraten durch Asteroidengürtel jagen, die Ghostbusters und He-Man gegen den riesigen Planetenfresser Xjruu`shuk in den Kampf begleiten oder Tiffi und Samson zum Schälen der WELTRAUM-Kartoffeln in die Kombüse abkommandieren. ("Das ist ein 'S'. Ein 'S' wie 'Schneller schälen, Soldat!")



Leider sieht es nicht so aus, als würde sich dieser Traum jemals in gelebte Wirklichkeit verwandeln: Inzwischen weiss ich, dass es im Vakuum des WELTRAUMS gar keine Explosionen gibt, ich es nicht einmal zu einem Führerschein gebracht habe, die NASA als ziemlich fauler Haufen seit 1988 immer noch keine WELTRAUM-Flotten entwickelt hat und dass Tiffi inzwischen nicht mehr Teil der Sesamstraße ist, sondern in Hollywood als Stuntdouble für eine "Die Vögel"-Remake engagiert ist.

Was mich auch gleich zum eigentlichen Thema bringt, nämlich nach Hollywood. Genauer gesagt in die Hobbithöhle von Peter Jackson. In der Hoffnung, dass ihr als treue Leser die letzten Jahre verschlafen habt (und somit nicht merkt, dass ich hier in Ermangelung von Inspiration mal wieder eiskalten Kaffee aufwärme, um ihn dann in eure vor Erstaunen aufgerissenen Mäuler zu spucken), gebe ich eine kurze, aber erschöpfende Zusammenfassung des Phänomens Peter Jackson:

1) Er ist fett, haarig und barfuss.
2) Seine Füsse sind voller fettiger Haare.
3) Er ist bemüht, in Hollywood als unangepasster Visionär zu wirken.
4) Die Grenze zwischen "unangepasster Visionär" und "im eigenen Erbrochenen schlafender Autist" ist fließend.
3) Er betont ständig, dass er aus Neuseeland kommt, dem Australien für Anfänger. Das rein weiße Australien, ohne diese nervigen Abor... Abo.. Abortion.. Eingeborenen. Selbstverständlich verkünden sämtliche Neuseeländer im Gegenzug bei praktisch jeder Gelegenheit, wie stolz sie auf ihren ungewaschenen Landsmann, seinen unermeßlichen Erfolg in Hollywood und ihre eigene Statistenrolle als Klumpen Ork-Kacke in "Die Rückkehr des Königs" sind.

Außerdem hat er die Herr der Ringe-Trilogie verbrochen, den heiligen Gral sozial minderbemittelter Geeks weltweit. Mich über diese Reihe noch ernstlich aufzuregen wäre zuviel des Guten und würde den Rahmen hier bei weitem sprengen. Nur so viel: Irgendwann zahlst du dafür, Jackson. Du und deine ganze Bande von weichgekochten Kiwi-Nazis!

Aber eigentlich soll es hier um King Kong gehen, seinem Film aus dem Jahre 2005. Und wie die Herr der Ringe-Streifen zuvor ist auch dieses Projekt natürlich ein ganz, ganz, gaaaanz lange und intensiv gehegter Kindheitstraum des Regisseurs. Jeden Tag hat dieser sich in seiner unbedarft übergeschnappten Art einen Ast gefreut, weil er ein unnötiges und überteuertes Remake eines Films über einen großen, haarigen Kerl machen durfte. Kompensationsdrang, Peter? Das Ergebnis von so viel Herzblut und beunruhigendem Interesse an all things hairy sind 24838 Stunden Film unterteilt in drei Akte: Eine Stunde lang führt die Exposition uninteressante und miserabel gespielte Charaktere ein, während sie in New York und anschließend auf einem Frachter ziellos umherirren und mich mit dem immergleichen Gelaber nerven. Am schlimmsten ist Jack Blacks Charakter, eine gewaschene Version von Jackson selbst, mit irrem Blick und der Fähigkeit, weniger Leben auszustrahlen als Pinoccios hölzerner Hodensack. Auch Naomi Watts als Variete-Heulsuse und Affenwichsvorlage (Das macht sich bestimmt super im Portfolio, Baby!) und Adrien Brody als riesige Nase sind furchtbar, furchtbar, furchtbar. Dann beginnt auch schon der zweite Akt, dem mit der Zusammenfassung "24836 Stunden langes Schreien und Sterben auf einer Insel" noch geschmeichelt wird. Die Insel ist Heimat von allem, was man sich als fantasievoller Tolkienleser so vorstellen kann: Stereotype Wilde (Rituelle Narben, Check! Opferrituale, Check! Unheimlich vor sich hin murmelnde Schamenenhexe, Check!), die so schwarz sind, wie es ein strahlend weißer Neuseeländer sonst nur vom Arsch seiner Schafe kennt. Und natürlich von großen Insekten, überdimensionalen Egeln, riesigen Dinosauriern und King Kong.













Ein Promoplakat für King Kong. Nicht im Bild: King Kong. Stattdessen: Peter Jacksons Mutter Vicky beim Vorkauen der Nahrung für ihren Sohn. Ich hasse dich, Peter Jackson!

All diese unfreundlichen Zeitgenossen begegnen den Protagonisten nacheinander, was viel Raum für Peter Jacksons Talent eröffnet - nämlich Bilder im Widescreen-Format mit vielen bunten Farben und schreienden und schwitzenden Männern. Die Szenen mit King Kong und der zumindest auch schreienden Frau, in die der Affe sich unverständlicherweise auf den ersten Blick verknallt sind dagegen so plump und hilflos umgesetzt, dass man geneigt ist, den Versand von Care-Paketen nach Neuseeland sofort einzustellen, um nachfolgende Generationen von Filmemachern aus dieser grünen Hölle ein für allemal auszuhungern.
Hat irgendjemand Peter Jackson mal gesagt, dass man die eingereichten Drehbücher seiner sechsjährigen Nichte ruhig auch ablehnen kann? Ganz besonders, wenn sie auf dem Prinzip beruhen, dass jede Szene mindestens ein Monster enthalten muss, dass größer ist als das Monster davor? Um die unfassbare Langeweile und Berechenbarkeit des Films zu verdeutlichen, die mich als geistig halbwegs wachen Zuschauer zwangsweise überkommen musste, habe ich meinen regelmäßigen Kontakt mit Peter Jacksons Drehbuchschreiberin Frodoletta Jackson genutzt, und werde deren tatsächlich so im Film verwendeten Konzepte hier öffentlich machen. Zusätzlich ist es mir gelungen, originale Notizen von Jackson selbst aufzutreiben, die ich den jeweiligen Skizzen beifüge.










Szene 1: Böser Dino.











Szene 2: Böse Dinos. (Achtung: Größer!)










Szene 3: Böser Wels.











Szene 4: Böse Bienen. Und böse Spinnen. Und böse Egel. Viel böser Käferkram. Summ Summ.










Szene 5: King Kong! Böse? Vielleicht nicht! Achtung, hier besteht Potential für unkonventionnell subtile Handhabung der Beziehung zwischen großem, vielleicht bösen Affen und kreischender Frau. MUSS IN JEDEM FALL ZUGUNSTEN VON MEHR BUMMBUMM!, KNALLKNALL!, KREISCHIKREISCHI!, und bösen Bienen auf eine Szene beschränkt werden. Und in der kommen große Fledermäuse vor! HAHA! Heil dir, mein dunkler Kiwi-Gott für diese Inspiration!

Ach so! Nachdem der Affe und die Crew von Unsympathen von der Insel runter sind und die Handlung wieder nach New York verlegt wird, bricht der Affe aus, verwüstet die Innenstadt, wirft mit Autos um sich, fällt vom Dach des Empire State Buildings, Fade to Black, Klappe zu, Affe tot. Dieser letzte Akt dauert in etwa fünf Minuten. (Womit nicht gesagt ist, dass er sonderlich kurzweilig wäre. Mit "fünf Minuten" meine ich "Fünf Minuten, in denen tollwütige Ratten sich durch mein Nasenloch zwängen. Und zwar von Innen.")
Gute Arbeit, Peter, Herr der dramturgischen Rektalexperimente! Wie wäre es stattdessen gewesen, das Drama um den gefangenen Affen näher zu beleuchten und sich mehr Zeit für seine Gefangenschaft zu nehmen, fragt der letzte Rest von Peter Jacksons geistiger Zurechnungsfähigkeit sich jeden Abend zögerlich, nur um von den haarigen Füßen auf die Plätze verwiesen zu werden! "Das ist ein Peter Jackson-Film! Von Peter Jackson für all die Peter Jacksons der Welt. Und Peter Jackson will AFFEN, DIE AUTOS WERFEN!

Man merkt mir an, wie sehr ich leide, oder? Ich werde noch ewig darauf warten, dass sich meine Wünsche erfüllen! Aber ein Autist wie Peter Jackson muss nur einmal etwas verstohlen in seinen Bart sabbern und prompt bekommt er alles Geld der Welt, um seine verrückten Pläne in die Tat umszusetzen - ob dies gegen die Genfer Konventionen verstößt oder nicht. Es ist unfair! Hollywood-Produzenten, erhört mein Flehen! Gebt diesem Mann nie wieder Geld. Und gebt mir Tiffi zurück.

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5 Comments:

At 3:04 nachm., April 09, 2007, Anonymous heute scheiße ich mal klug said...

1. alter, keinen führerschein???
2. 1,2,3,4,5... nach vier kommt fünf nicht nochmal die drei!!!
3. du hast recht: spasti jackson.

 
At 10:12 nachm., April 09, 2007, Anonymous Anonym said...

bei ebay würde es heißen: !!!top!!!super ebayer!!!immer wieder gerne!!!

 
At 12:47 nachm., April 10, 2007, Anonymous Anonym said...

Ich mag Peter Jacksons Herr der Ringe...jaja...schon gut...
trotzdem sehr unterhaltsamer Text.

 
At 4:30 nachm., April 13, 2007, Anonymous Suha said...

I love it!

 
At 2:40 nachm., April 17, 2007, Anonymous Anonym said...

na endlich! ich dachte schon mit mir würde was nicht stimmen, weil ich scheinbar als einziger fand, dass dieser arme streifen film nicht toll wahr.
bitte mehr davon!!

 

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