Montag, September 04, 2006

Don't hate the player, hate the game!

Vorsicht, es wird wieder ausgiebig gehasst:
Gestern war bei uns im Dorf das alljährliche Super-Duper-Landpommeranzen-Fest "Kaarst Total" - mit Fressbuden, Bierausschank, einer Miss-Wahl und einem Musikprogramm auf drei Bühnen. Im Gegensatz zu den letzten Jahren hat sich 2006 aber kein vergessener Star aus längst vergangener Zeit die Ehre gegeben. Also nix mit Weather Girls, Rednexx oder Haddaway. (Unvergessen dessen professioneller Umgang mit seiner Crew, die er zwischen zwei Songs und vor 2.000 Zuschauern freundlich anzuweisen verstand: "Äi, Mischer. Ich sag dir nischt wii du deine Job macken sollz, aber du mackst ihn Schei-ze.")

Stattdessen gab`s nur eine Supertramp- und eine Westernhagen-Coverband. Oder, wie man das heutzutage euphemistisch nennt: "Tribute to..." Anfang hab ich mich über diese Gestalten noch geärgert. Eine Gruppe von aufgesetzt fröhlichen Mitvierzigern, die Westernhagen oder Grönemeyer allen Ernstes für kernige, ehrliche, deutsche Musiker halten und auf der Bühne mal "kräfitg abrocken", um mal so "richtig Stimmung zu machen, hier!". Und vor allem über die Sänger. Die sind ein Stereotyp für sich: Glatze, offenes Hemd, zu enge Jeans, hauptberuflich damit beschäftigt, mir Bier nachzufüllen. Die Qualitäten als Entertainer beschränken sich meist auf ein penetrant wiederholtes "Hey, Hey, Hey!" und das unvermeintliche Flirten mit der holden Weiblichkeit im Publikum. Und wenn ich "holde Weiblichkeit" sage, meine ich natürlich "Dorfbratzen jenseits der 40, in Leggins gezwängt, mit Übergewicht und schalem Bier in der Hand". Und wenn ich "Publikum" sage, dann ist das neu-sprech für grenzdebile, alkoholisierte Stammtischbrüder, die das Stadtfest neben Kirmes und Karneval als einzigen Anlass haben, ("Kaarst, macht mal richtig Lärm hier!") um Mal gepflegt den Stock aus dem Arsch ziehen. Oder eben noch tiefer bis zum Anschlag reinstecken, jenachdem wie man's sieht. Da gibts kein Entkommen: Den Provinzmief riecht man auch durch die dickste Bierfahne noch durch.
Genug Gründe, diese Bands zu hassen. Eigentlich. Aber ich bin ein herzensguter Mensch. (Das werden alle bestätigen. Bis auf die ältere Frau, die ich gestern beschwipst und ansatzlos angefahren habe, sie dürfe sich nicht zu uns setzen. Ich bin so ein Held, wirklich. Als ich das den Jungs vom Stammtisch ganz stolz erzählt habe, da wurde anerkennend gerülpst.) Und weil ich eben so ein netter Kerl bin - und strenggenommen und insgeheim diese ganze Hinterwäldler-Atmosphäre doch irgendwo mag, sonst würde ich mich wohl kaum so gespielt drüber aufregen -, hab ich stattdessen Mitleid mit den Coverbands. Zehn Jahre lang durch die Dörfer der Republik zu tingeln und immer die gleichen Lieder nachsingen zu müssen, während der eigene Output dem gröhlenden Kuhkaff-Mob herzlich egal ist - das muss die Hölle sein.

My heart goes out to you.

3 Comments:

At 5:35 nachm., September 04, 2006, Anonymous el bene said...

warum schreibt der langu eigentlich nicht fürs mag...?

 
At 6:22 nachm., September 04, 2006, Anonymous 0211 said...

weil der zu spät gefragt wurde

 
At 4:36 nachm., September 05, 2006, Anonymous Langu said...

Euch gefällt das? Wow, ich fühle mich geehrt! Ich hab immer ziemlich neidisch euer Mag gelesen.
Vielleicht klappts ja für die nächste Ausgabe.

 

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